Herausforderungen bei multilingualer Gestaltung

Um die Herausforderungen multilingualer Typografie ergründen zu können, betrachte ich zunächst die Unterschiede der Schriftzeichen, die die kleinste Einheit typografischer Gestaltung darstellen. Für die Darstellung unterschiedlicher Zeichensätze entwickelten Kulturen eigene typografische Gestaltungsgrundsätze. 
Multilinguale Typografie muss dafür Methoden entwickeln, die eine Synthese zwischen den eigenen und „fremden“ Zeichensätzen erlauben. 

Grundlinien

Im lateinischen Alphabet ergibt sich durch die Ober- bzw. Unterkanten der Glyphen ein Vierliniensystem. Die gemeinsame Unterkante der Minuskeln und Majuskeln bildet die Grundlinie, an denen die Buchstaben ausgerichtet werden und nach oben und unten von der Oberlänge bzw. Unterlänge begrenzt sind.

Am Beispiel chinesischer Schriftzeichen, werden deutliche Unterschiede in der Ausrichtung sichtbar. Schriftzeichen werden hier an einer horizontalen Mittelachse ausgerichtet und flattern nach oben und unten in unterschiedlichen Längen.  

Aufbau der Glyphen

In beiden Schriftsystemen werden Schriftzeichen aus Einzelteilen aufgebaut, die sich über einen vordefinierten Bereich ausbreiten. Wesentlich, bei der Gestaltung multilingualer Schriftsysteme ist jedoch, wie trotz des unterschiedlichen Aufbaus der Glyphen ein einheitliches Schriftbild erzeugt werden kann. 

Kombination 

Durch die wachsende Globalisierung und die stärkere Präsenz von westlichem Kulturgut im asiatischen – und speziell im chinesischen – Raum, werden hier verstärkt lateinische Zeichen und arabische Ziffern in Kombination mit asiatischen Schriftzeichen eingesetzt. Dadurch ergibt sich jedoch ein ungleichmäßiges Schriftbild, die unangepassten Zeichen wirken wie Fremdkörper im Fließtext. Dadurch stellt sich die Frage, wie mehrere Schriftsysteme miteinander kombiniert werden können. 

Grauwert

Texte in lateinischen Zeichen ergeben durch die unterschiedliche Buchstabenbreite, die sich je nach Form des Zeichens unterscheidet, einen harmonischen aber dennoch dynamischen Grauwert des Textes. Viele asiatische Schriftzeichen werden jedoch auf einer immer gleichbleibenden Grundfläche ausgerichtet, woraus sich ein statisches Erscheinungsbild und ein unregelmäßiger Grauwert ergibt. Daher stellt sich die Frage, wie in einer Gestaltung sowohl harmonisch-dynamische Zeichen, als auch statische Glyphen gleichberechtigt eingesetzt werden können. 

Quellen: https://www.designmadeingermany.de/magazin/1/pdf/dmig1_multilingtypo.pdf

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