Stereomikrofonierung im Praxistest

Verschiedene Methoden zur Aufnahme in Stereo haben sich etabliert. Man verwendet zwei Mikrofone, mit je nach Methode unterschiedlichen Charakteristika und Positionierungen. Gemeinsam mit einigen Kolleg*innen des Sound Design Majors haben wir die gängigsten Arten der Stereomikrofonierung in der Praxis erprobt. Diese möchte ich euch hier vorstellen.

Die Klangerzeuger waren ein Saxophon und eine Klarinette, die ein improvisiertes Duett spielen. Sie beginnen vor dem Mikrofonaufbau nebeneinander stehend, bewegen sich dann voneinander weg zu den Seiten, kreuzen den Weg hinter dem Mikrofonaufbau und enden wieder nebeneinander vor den Mikrofonen.

1: Mitte-Seite

Wie der Name suggeriert, nimmt ein Mikrofon das mittige Signal auf und ein weiteres die Differenz zwischen Links und Rechts. Das lässt sich realisieren, indem für das Seitenmikrofon eines mit Achtercharakteristik verwendet wird. Das Mittenmikrofon hat üblicherweise Nieren- oder Kugelcharakteristik.

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass sich die Basisbreite auch nach der Aufnahme gut regulieren lässt.

2: ORTF

Der Name ORTF stammt von der damaligen Französischen Rundfunkanstalt, die diese Methode entwickelte. Man verwendet zwei Mikrofone mit Nierencharakteristik, die man im Abstand von 17cm im Winkel von 110° positioniert.

Da bei unserem ORTF-Mikronierungsversuch leider viele Störgeräusche durch Wind aufgenommen wurden, präsentiere ich hier nur einen kurzen Ausschnitt.

3: Klein-AB

Es werden zwei Mikrofone parallel mit etwas Abstand positioniert. Man unterscheidet zwischen Klein-AB und Groß-AB, wobei es keine Einigkeit darüber gibt, welcher Abstand der richtige ist. In unserem Fall waren die Mikrofone ca. 17cm voneinander entfernt. Ab ca. einem Meter Distanz spricht man von Groß-AB, der Abstand kann aber auch weitaus größer sein. Ob das sinnvoll ist, hängt auch sehr von der Entfernung der Klangquelle ab.

Mit der AB-Technik lässt sich große räumliche Tiefe vermitteln. Bei großem Abstand der Mikrofone oder kleinem Abstand der Klangquelle kann das aber auch übertrieben wirken. Außerdem ist die AB-Technik nicht Mono-kompatibel.

4: X/Y

Man positioniert zwei Mikrofone mit Nierencharakteristik vertikal übereinander mit einem Winkel von üblicherweise 90° oder 120°. Die Ortung des Schalls entsteht durch Intensitätsunterschiede im Gegensatz zu Laufzeitunterschieden wie bei AB. Der Schall kommt zum gleichen Zeitpunkt bei den Mikrofonen an, wirkt sich jedoch durch die Richtcharakteristik unterschiedlich stark aus. Bei der X/Y-Methode wird die Lokalisation von Schall in der Mitte überbetont, was aber natürlich auch gewünscht sein kann.

Fazit

Welche Mikrofonierungsmethode die beste ist, hängt von vielen Faktoren ab. Natürlich ist die Schallquelle relevant. Sind es eine oder mehrere? Wie groß ist die Distanz zu den Mikrofonen? Soll eine präzise Lokalisierung möglich sein, oder möchte ich einen großen räumlichen Eindruck erzeugen? Bewegen sich die Schallquellen oder die Mikrofone im Raum?

Letztendlich gibt es ästhetische Präferenzen und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich schlecht streiten. In diesem Fall gefällt mir die AB-Mikrofonierung am besten. Möglicherweise liegt das aber auch mehr an der Mikrofonauswahl als an deren Anordnung. Durch die Kugelcharakteristik werden tiefere Frequenzen besser aufgezeichnet und auch wenn sich die Schallquellen hinter den Mikrofonen befinden, klingen sie noch schön. Doch auch die genaue Lokalisierung gefällt mir hier gut.

Ich denke, es macht Sinn, vor jeder Aufnahmesituation die optimale Mikrofonierungsstrategie zu evaluieren um das jeweils beabsichtigte Ergebnis zu erzielen.

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